Projektpräsentation und Fachgespräch

Die Projektpräsentation und das Fachgespräch bilden den Abschluss der Ausbildung zum Fachinformatiker. Nach dem Fachgespräch wird mitgeteilt, ob die Prüfung bestanden wurde oder nicht. Die Bewertung erhalten Sie erst etwas später in schriftlicher Form. Ist die Prüfung bestanden, endet an diesem Tag die Ausbildung. Die Vorbereitung auf diesen Prüfungsteil beginnt jedoch schon weit vor den schriftlichen Prüfungen, nämlich mit dem Projektantrag bzw. mit den Überlegungen, welches Projektthema sich für die Prüfung eignen würde. Außerdem wurde die Projektdokumentation schon abgegeben und vom Prüfungsausschuss bewertet. Die Ergebnisse kennt der Prüfling zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht.

Die Bewertung aus Projektdokumentation (50%) und Projektpräsentation und Fachgespräch (50%) machen wiederum die Hälfte der Abschlussnote aus - der oft als "mündlicher Prüfungsteil" bezeichnete Prüfungsabschluss ist also nicht minder wichtig als die schriftlichen Prüfungen - und kann noch einiges an der Note verändern. Welche Leistungen bei welchen Bewertungen erzielt werden müssen und welche Konstellationen wichtig sind, erfahren Sie übrigens ganz einfach in unserem Prüfungsnotenrechner.

Doch wie läuft der Prüfungsteil A, wie die mündliche Prüfung offiziell bezeichnet wird, nun eigentlich ab? Wer sind die Prüfer, wie wird bewertet? Der nachfolgende Text soll diese Fragen beleuchten und dazu beitragen, dass am großen Tag nichts schief geht.

Der Prüfungsausschuss

Jede IHK beruft Prüfungsausschüsse, die die Prüfungen für Fachinformatiker abnehmen. Nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) müssen diese Ausschüsse zu gleichen Teilen aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern und außerdem einem Lehrer bestehen. Mitglied kann nur werden, wer nachweislich Fachmann ist. Die Prüfer bringen also entsprechendes Wissen aus der IT-Welt mit. Die Prüfungsausschüsse sind neben der Korrektur der schriftlichen Abschlussprüfung auch für die Genehmigung des Projektantrags, der Bewertung der Projektdokumentation, der Präsentation und des Fachgesprächs zuständig (hier werden einem Ausschuss eine bestimmte Anzahl an Prüflingen fest zugewiesen). Außerdem nehmen sie die mündliche Ergänzungsprüfung ab.

Die Präsentation

Zunächst stellt sich die Frage, was überhaupt präsentiert werden soll. Es ist der falsche Ansatz, einfach nur die Inhalte der Projektdokumentation noch einmal in eine Präsentation zu verpacken. Viel mehr soll ein Gesamtüberblick über das durchgeführte Projekt vermittelt werden. Trotzdem kann man sich bei der Gliederung, die man sich auch hier überlegen sollte, natürlich grob an die der Dokumentation halten.

Die Zielgruppe

Die Art, wie eine Präsentation gestaltet ist, hängt maßgeblich von der Zielgruppe ab. Und hier gibt es wieder große Unterschiede zwischen den einzelnen Industrie- und Handelskammern. Die einen wollen wie Kunden behandelt werden, die anderen wie der Abteilungsleiter und wieder andere wie der Prüfungsausschuss selbst. Zu diesem Thema müssen im Vorfeld unbedingt Informationen bei der zuständigen IHK eingeholt werden. Schließlich würden Sie Ihrem Abteilungsleiter niemals, einem Prüfungsausschuss auf jeden Fall die eigene Abteilung oder das eigene Unternehmen vorstellen.

Rahmenbedingungen

Präsentation und Fachgespräch sollen insgesamt 30 Minuten dauern und die Zeit jeweils zur Hälfte beanspruchen. Es ist deshalb ratsam, die Präsentation auch wirklich auf 15 Minuten auszulegen. Der Prüfungsausschuss kann sonst (und wird es wahrscheinlich auch) die Präsentation abbrechen, was sich auf jeden Fall negativ auf die Bewertung auswirkt. Üben Sie die Präsentation unter allen Umständen mehrmals, und nicht nur alleine. Eine Präsentation vor Bekannten oder, wenn es die Umstände zulassen, auch vor Kollegen und Vorgesetzten sollte zur Vorbereitung unbedingt dazugehören. So erlangt man Sicherheit und Routine.

Denken Sie am Tag der Prüfung daran, pünktlich zu sein und für die Strecke zum Prüfungsort mehr Zeit als gewöhnlich einzuplanen. Falls es möglich ist, besichtigen Sie vorher die Räumlichkeiten, um Probleme wie farbige Wände oder fehlende Präsentationsflächen vorher auszuschließen. Außerdem sollten die Gegenstände, die man zur Präsentation benötigt schon mindestens am Vorabend eingepackt werden. Dazu gehören:

  • Personalausweis
  • Einladung zur mündlichen Prüfung
  • Präsentationsmedien wie Beamer, inkl. Kabel und Zubehör
  • Laptop
  • Präsentation auch als Folienausdruck, für den Notfall (das beweist fundierte Vorbereitung)
  • ggf. Handouts, Notizen, Anschauungsmaterial

Denken Sie außerdem daran, die Räumlichkeiten schon rechtzeitig zu betreten, damit Sie noch Zeit für den Aufbau der Medien haben. In der Regel stehen dafür etwa zehn Minuten zur Verfügung.

Kleidung und Äußeres

Zunächst sollte man sich in seiner Bekleidung natürlich wohl fühlen. Aber auch das hat seine Grenzen. Für Herren gilt: Mit einem Anzug oder eine Stoffhose mit Sakko und gebügeltem Hemd macht man nichts falsch. Mit einer passenden Krawatte mit Sicherheit auch nicht. Wer gar nicht auf seine Jeans verzichten kann, sollte zumindest auf eine gepflegte Auswahl achten. Ein rotes Tuch dürften wohl Turnschuhe sein. Einen schlechten Eindruck macht übrigens der schlecht sitzende Anzug des Vaters, der schon zwanzig Jahre auf dem Buckel hat und man ja "sonst nie so was anzieht". Hier wäre an der falschen Stelle gespart.

Frauen sind etwas freier bei der Kleiderwahl. Ob nun Hosenanzug mit Bluse oder Shirt oder ein Blazer mit nicht zu kurzem Rock - alles passt, so lange es gepflegt, unaufdringlich und sauber wirkt.
Das Makeup ist dezent zu wählen und auf für die Prüfer evtl. außergewöhnlichen Körperschmuck sollte man besser verzichten.

Präsentation und Medien

Bei großen Problemen mit Nervosität können kleine Notizzettel oder Karteikärtchen helfen. Auf der einen Seite besteht weniger die Gefahr, dass man den roten Faden verliert und auf der anderen Seite hält man etwas in Händen. Bei dezentem und gekonntem Einsatz derselbigen führen diese auch nicht zu einer Abwertung.

Die meisten Präsentationen dürften mit Notebook und Beamer stattfinden. Aber auch die Verwendung eines Overheadprojektors oder Flipcharts sind möglich. Ein Medienwechsel (z.B. in die Präsentation mit dem Beamer auch einen Flipchart mit einzubeziehen) macht sich gut, so lange er nicht gezwungen wirkt. So könnte man je nach Projekt das Flipchart zum Beispiel nutzen, um einen kleinen Netzwerkplan zu zeichnen oder ein paar Stichpunkte aufzuschreiben.

Das Fachgespräch

Nach der Projektpräsentation erfolgt das Fachgespräch. In diesem werden Fragen rund ums Projekt und gerade auch zum fachlichen Hintergrund gestellt. In der Regel sollten Fragen zum Projekt einfach zu beantworten sein. Schließlich hat man sich Wochen damit beschäftigt. Und auch Fachfragen sollten zumindest mit dem Projektthema in Zusammenhang stehen. Antworten Sie kurz und prägnant und versuchen Sie nicht Zeit zu schinden. Mit etwas Geschick schaffen Sie es vielleicht sogar, das Gespräch auf Themen zu lenken, in denen Sie besonders sicher sind. Können Sie einmal eine Frage nicht beantworten ist das kein Beinbruch. Geben Sie es einfach zu und machen Sie mit der nächsten weiter. Beachten Sie auch, dass auch der kaufmännische Aspekt eine Rolle spielen kann. Das Gespräch sollte nach ca. 15 Minuten beendet werden, da Präsentation und Fachgespräch zusammen auf 30 Minuten angelegt sind.

Nach dem Fachgespräch zieht sich der Prüfungsausschuss zur Beratung zurück. Die Bewertung der Präsentation kann (auch das unterscheidet sich von IHK zu IHK) von folgenden Gesichtspunkten abhängen.

  • Wurde das Projekt verständlich dargestellt?
  • War die Gliederung logisch?
  • Wurden die zeitlichen Vorgaben eingehalten?
  • War die Präsentation ansprechend?
  • Wurden die Medien gekonnt eingesetzt?
  • War die Körpersprache und der Sprachstil des Prüflings in Ordnung?
  • Hat der Prüfling überzeugt?
  • Waren die fachlichen und projektbezogenen Aussagen im Fachgespräch in Ordnung?

Nachdem sich der Prüfungsausschuss beraten hat, werden Sie über das Ergebnis in Kenntnis gesetzt.
Sie erhalten einen vorläufigen Bescheid, indem Ihnen das Ergebnis (bestanden oder nicht bestanden) der Prüfung bescheinigt wird.
Haben Sie Verständnis dafür, wenn Ihnen der Ausschuss aus rechtlichen Gründen keine Noten oder Tendenzen nennen darf.
Das offizielle Ergebnis inklusive der erzielten Noten erhalten Sie in der Regel in den nächsten Wochen von Ihrer zuständigen IHK.